Holzschutzmittel in Wohnräumen
Holzschutzmittel sind chemische Verbindungen, die einen Befall
von Holz durch Pilze oder Insekten verhindern oder vorhandene Organismen
abtöten. Man unterteilt diese Verbindungen in
wasserlösliche Holzschutzmittel
auf Salzbasis (Borverbindungen wie Borsäure und Borax; Fluorsilikate;
HF-Salze; Chromverbindungen; Arsenverbindungen wie Arsenpentoxid,
Arsenate, Arsensäure; Kupferverbindungen und quartäre Ammoniumsalze),
Holzschutzmittel mit wasseremulgierbaren Substanzen
(AAC, Tridemorph, Kupfer-HDO), Mittel auf der Basis von Steinkohleteerölen
(Carbolineum) und
lösungsmittelhaltige Holzschutzmittel.
Carbolineum ist ein öliges, braunrotes, teerig riechendes Gemisch
aus Steinkohleteer und aufgrund des Gehalts an Polycyclischen aromatischen
Kohlenwasserstoffen krebserzeugend. Deshalb wird Carbolineum eigentlich
nur noch bei der Imprägnierung von Bahnschwellen und Leitungsmasten
angewendet.
Lösungsmittelhaltige Holzschutzmittel enthalten organische Fungizide
bzw. Insektizide und lassen sich je nach Bindemittelgehalt in Imprägnierungen,
Holzschutzlasuren und Holzschutzfarben unterteilen. Als Solvens
kommt überwiegend Testbenzin zur Anwendung. Eine Verwendung von
biozidhaltigen Imprägnier- und Lacklasuren für den Holzschutz in
Innenräumen ist völlig überflüssig und kann zu schweren Gesundheitsschäden
führen.
Ein hohes Gefährdungspotential haben chlorierte Kohlenwasserstoffe
wie Pentachlorphenol (PCP), Lindan und DDT. Diese Verbindungen wurden
bis Mitte der 80er Jahre in großem Umfang eingesetzt, waren u.a.
auch für Innenräume zugelassen und wurden weitläufig zum Streichen
von Fensterrahmen und Holzverkleidungen eingesetzt. Aufgrund ihrer
Flüchtigkeit verdunsten die aufgetragenen Holzschutzmittel im Laufe
der Zeit von der Oberfläche des Holzes und gehen in die Raumluft
über. Sie werden vor allem im Körperfett gespeichert. Da sie im
Körper auch in andere Verbindungen umgewandelt werden, können sie
über viele Jahre gespeichert werden, ohne sich abzubauen. Bei Holzschutzmittelgeschädigten,
die über viele Jahre in belasteten Wohnungen oder Häusern lebten,
traten teilweise noch nach 20 bis 30 Jahren organische Spätschäden
auf.
In den neuen Bundesländern bestehen weitverbreitete Belastungen
durch DDT-haltige Holzschutzmittel, die z.B. unter dem Handelsnamen
Hylotox 59 in den Handel kamen. Auch Chlorphenole, vor allem Pentachlorphenol
(PCP), waren in der Vergangenheit weit verbreitet. PCP wurde auch
als pilzwidriger Wirkstoff (Fungizid) in Leder, Zeltplanen, Teppichböden,
Linoleum und in Naturmaterialien (z.B. Kokosfasern, Baumwolle) eingesetzt.
Am bekanntesten und verbreitetsten ist in Deutschland die frühere
Verwendung von PCP in Holzschutzmitteln. Obwohl deren Einsatz nur
für den Außenbereich oder Feuchträume, wo Holzteile feucht werden
können, vorgesehen war, wurden PCP-haltige Holzschutzmittel in den
60er und 70er Jahren oft im Übermaß in Innenräumen angewendet. Vor
allem in Hölzern wie Fensterrahmen oder Holzbalken, die mit PCP
behandelt worden sind, ist dieser Stoff noch in hohen Konzentrationen
zu finden. PCP hat aber auch noch ganz andere Einsatzbereiche: In
der Baumwollgewinnung wird es ebenso verwendet wie in der Papierindustrie,
der Textilindustrie und bei der Herstellung von Klebern und Leimen,
in Dispersions- und Ölfarben. Die Angaben über weltweite jährliche
Produktionsmengen schwanken zwischen 25.000 t und 90.000 t pro Jahr
(1991). In Deutschland wurden 1985 noch über 1.000 t PCP hergestellt.
Seit 1989 wurden Herstellung, Verwendung und das in-Verkehr-bringen
von Pentachlorphenol (PCP) in Deutschland verboten.
PCP wird trotzdem heute noch häufig - auch in neuen - Lederprodukten
nachgewiesen. Von Schuhen über Polstermöbel bis zu Motorradkombis:
in Leder kann PCP enthalten sein. Das liegt häufig daran, dass in
Indien (einem der größten Lederproduzentenländer) die Leder häufig
in PCP-haltigen Laken über längere Zeit eingelegt werden, um eine
Zersetzung zu vermeiden.
Lindan [das y-Isomer des Hexachlorcyclohexans (HCH)] ist ein weitverbreitetes
Kontaktinsektizid, das in der Vergangenheit in großen Mengen als
Pflanzen-, Holz- und Textilschutzmittel gegen Insekten, Milben,
Flöhe und Läuse eingesetzt wurde. In den meisten Holzschutzmitteln
war es bis zur Mitte der 80er Jahre in einer Konzentration von 0,5
- 2 % enthalten.
Hauptbelastungen werden meist durch die Imprägnierung von tragendem
Dachständerwerk verursacht. Es empfiehlt sich, vor dem Ausbau von
Dächern in jedem Falle eine Material- oder Raumluftanalyse auf Holzschutzmittel
durchführen zu lassen, um dadurch entstehende Belastungen sicher
auszuschließen.
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